Geschichte

Bei der Stadtgründung im Jahr 1279 wurde der ursprünglich in der Nähe der Burg (heute „Althof“) liegende Meierhof als dritter Eckpunkt der Stadtmauer in den Bereich des heutigen Schlosses verlegt. Unter Nikolaus Bethlen – Stadthauptmann und Burggraf nach der Übergabe der Stadt an Matthias Corvinus 1486 – begann man, das „Neue Schloss“ anstelle des Meierhofes im spätgotischen Stil zu bauen. Die Schneckenstiege und teilweise die Gewölbe der Räume im Erdgeschoss stammen aus dieser Zeit. Nach der Trennung der Herrschaft Retz von der Grafschaft Hardegg 1495 wurde das Schloss vorwiegend von Beamten bewohnt. Das Haus wurde nach 1663 im Stil der Spätrenaissance umgebaut. Am 5.9.1687 wurde für die Schlosskapelle eine päpstliche Messlizenz erteilt. Heute ist durch die vielen baulichen Veränderungen nicht mehr bekannt, in welchem Raum sich die Kapelle befunden hat.
Die Geschichte unseres Schlosses


Die Familien Eizinger, Krausenegg und Hoyos waren Eigentümer des Hauses bevor die Herrschaft Retz samt Schloss 1709 vom Kaiserlichen Hof-, Kriegs- und Finanzrat Konstantin Josef von Gatterburg gekauft wurde. 1711 ließ er den Schüttkasten bis an die Stadtmauer ausbauen und begann 1712 mit der Barockisierung. Aus diesem Jahr stammt auch das Türmchen in dessen Turmknauf folgende Gedenkschrift eingeschlossen wurde:

Allerhöchstem Gott ewige Ehre in der Höhe.
Dieser Turm gesetzt war 1712tem Jahr,
als Carolus Kaiser war,
er lebe lange, lebe viele Jahr.
Er regiere stets ohne Gefahr!
Seine Untertanen auch bewahr!
Gütigster lass es sein wahr !
Meister Leonhard Sauer, solcher Höhe Erbauer
Konstantin Josef von Gatterburg,
Herr der Herrschaft Retz, Zwölfaxing, Pellendorf.
Er solchen Turm hat lassen neu aufheben,
Gott gebe ihm wie Seinigen langes Leben.
An Feuer’s Grimm, Blitz, Donner als allen Graus
Erdebeben samt Wasserfluten bleiben noch aus,
Christ der Welterlöser gieb!! Amen.


Aus dem Gang im 1. Stock wurden Zimmer geschaffen. Jener im 2. Stock und jener im Erdgeschoss blieben erhalten. 1873 wurde der Zwinger, der schon in den Jahren davor von der Stadt gepachtet worden war, gekauft um als Garten genützt werden zu können. 1848 wurde unter Kaiser Ferdinand I. die „Bäuerliche Unterthänigkeit“ und damit Zehent und Robot abgeschafft. 1860 gründeten „Die ehemaligen Gräflich von Gatterburg’schen Unterthanen“ einen Verein, dessen Zweck ein „geselliger, besprechender und unterhaltender“ sein sollte. Dieser Verein besteht auch heute noch als „Gatterburg’scher Unterthansverein“.

SchlosshofSeit der Barockisierung blieb das Schlossgebäude in seiner Bausubstanz weitgehend unverändert, wenn es auch im 2. Weltkrieg von der russischen Besatzungsmacht beschlagnahmt wurde. Die Inneneinrichtung wurde damals schwer beschädigt.

Umbauten für eine zeitgemäße Nutzung ermöglichen etwa die Verwendung des alten Schüttkastens als Saal für das angrenzende Schlossgasthaus oder im Untergeschoss als Fahrradmuseum.

Obwohl es den Anforderungen der heutigen Zeit behutsam angepasst wird ist das Haus Geschichtsträger und erinnert eindrucksvoll an längst vergangene Zeiten.


 

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